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Lernkunst = Mathetik

Die Ausbildereignungsprüfung verlangt wenig zum Thema „Selbst lernen“.

Dabei ist es so wichtig, sich mit dem eigenen Lernen zu befassen. Wer darin gute Kenntnisse hat, kann selbst besser lernen und besser ausbilden.

Auf dieser Seite geben wir mathetische Hinweise und sammeln gute Lernhilfen von Anderen.

Über Hinweise und Gedanken zum Thema würden wir uns freuen.

Aktives Lernen – nach Carl Wiemann

 

 

Selbstlern-Methode - Überblick

SelbstlernmethodenPDF

Methode Merkmal 1 Merkmal 2 Merkmal 3
Escape Room Learning Rätsel lösen Zeitdruck Hinweise verknüpfen
Flipped Classroom Vorbereitung im Selbststudium Präsenzzeit für Anwendung Aktive Mitarbeit
Microlearning Kurze Lerneinheiten Ein Lernziel pro Einheit Häufig digital
Mystery Method Informationen verknüpfen Ursache-Wirkungs-Denken Offene Fragestellung
Planspiel Simulation realer Situationen Entscheidungen treffen Folgen erleben
Portfolioarbeit Lernergebnisse dokumentieren Selbstreflexion Langfristige Entwicklung
Serious Games Lernen durch Spielen Interaktive Entscheidungen Hohe Motivation
WebQuest Internetgestützte Recherche Vorgegebene Quellen Informationsauswertung
Challenge-Based Learning (CBL)

Challenge-Based Learning ist eine Lernmethode, bei der Lernende eine reale Herausforderung (Challenge) bearbeiten und eigenständig eine Lösung entwickeln. Im Mittelpunkt steht nicht die Wissensvermittlung, sondern die aktive Lösung eines praxisnahen Problems.

Ablauf:

  1. Eine Herausforderung wird formuliert.
  2. Die Lernenden analysieren die Situation.
  3. Sie recherchieren selbstständig Informationen.
  4. Sie entwickeln und erproben Lösungsvorschläge.
  5. Die Ergebnisse werden präsentiert und reflektiert.

Ziele:

  • Problemlösungskompetenz fördern
  • Selbstständigkeit stärken
  • Kreativität entwickeln
  • Theorie und Praxis verbinden
  • Teamarbeit unterstützen

Beispiel in der Ausbildung:

Challenge:
„Wie können wir die Zahl der Ausbildungsbewerbungen innerhalb eines Jahres um 20 % erhöhen?“

Die Auszubildenden:

  • analysieren die aktuelle Situation,
  • befragen Bewerber und Mitarbeiter,
  • recherchieren Best-Practice-Beispiele,
  • entwickeln Maßnahmen für Social Media, Karrieremessen oder Schulkooperationen,
  • präsentieren ihre Vorschläge der Geschäftsleitung.

 

Vorteile:

  • hoher Praxisbezug
  • echte betriebliche Fragestellungen
  • starke Eigenverantwortung
  • Förderung von Methoden- und Sozialkompetenzen

Rolle des Ausbilders:
Der Ausbilder formuliert die Challenge, begleitet den Lernprozess als Coach und unterstützt bei Bedarf, ohne die Lösung vorzugeben.

Unterschied zur Projektmethode:
Bei der Projektmethode steht häufig die Durchführung eines Auftrags oder die Erstellung eines Produkts im Vordergrund. Beim Challenge-Based Learning steht die Lösung einer offenen, realen Herausforderung im Mittelpunkt. Der Lösungsweg ist dabei oft wichtiger als ein fertiges Endprodukt.

Escape Room Learning

Escape Room Learning ist eine Lernmethode, bei der Lernende eine Reihe von Aufgaben, Rätseln oder Problemen lösen müssen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Meist besteht das Ziel darin, innerhalb einer vorgegebenen Zeit einen „Escape“ zu schaffen oder einen Fall zu lösen.

Ablauf:

  1. Die Lernenden erhalten eine Ausgangssituation.
  2. Sie bearbeiten nacheinander verschiedene Aufgaben.
  3. Jede richtige Lösung liefert einen Hinweis, Code oder Schlüssel für die nächste Aufgabe.
  4. Am Ende wird das Gesamträtsel gelöst.

Ziele:

  • selbstständiges Lernen fördern
  • Fachwissen anwenden
  • Problemlösungskompetenz entwickeln
  • Teamarbeit stärken
  • Motivation erhöhen

Beispiel in der Ausbildung:

Thema: Rechte und Pflichten in der Ausbildung

Ausgangssituation:
„Der Ausbildungsvertrag wurde gestohlen. Nur wer die richtigen Codes findet, kann den Tresor öffnen und den Vertrag retten.“

Stationen:

  • Probezeit bestimmen
  • Kündigungsfristen zuordnen
  • Pflichten des Ausbildenden erkennen
  • Pflichten des Auszubildenden zuordnen
  • Zeugnisanspruch prüfen

Jede richtige Lösung ergibt eine Zahl. Aus den Zahlen entsteht am Ende der Tresorcode.

Vorteile:

  • hoher Motivationsfaktor
  • fördert aktives Lernen
  • verbindet Wissen und Anwendung
  • eignet sich gut für Gruppen und Auszubildende

Rolle des Ausbilders:
Der Ausbilder stellt die Aufgaben bereit, begleitet den Lernprozess und gibt bei Bedarf Hinweise, ohne die Lösung vorzugeben.

 

Fallmethode

Die Fallmethode ist eine Lernmethode, bei der Lernende einen realen oder realitätsnahen Sachverhalt analysieren und auf Grundlage von Gesetzen, Verordnungen oder betrieblichen Regelungen eine begründete Entscheidung treffen.

Ablauf:

  1. Sachverhalt erfassen
  2. Rechtliche Fragestellung erkennen
  3. Relevante Rechtsgrundlagen ermitteln
  4. Sachverhalt rechtlich prüfen
  5. Entscheidung begründen
  6. Ergebnis vorstellen und diskutieren

Ziele:

  • Rechtsanwendung trainieren
  • Problemlösungskompetenz fördern
  • Gesetzestexte sicher nutzen
  • Entscheidungen begründen lernen

Beispiel in der Ausbildung:

Fall:
Der 17-jährige Auszubildende Tim befindet sich im zweiten Ausbildungsjahr. Er arbeitet in einer Bäckerei. In den letzten 14 Monaten hat er trotz schriftlicher Aufforderung keine Nachuntersuchung nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz vorgelegt. Der Betrieb überlegt, ihn weiterhin zu beschäftigen.

Aufgabe:

  • Welche Rechtsgrundlagen sind zu prüfen?
  • Darf Tim weiterhin beschäftigt werden?
  • Welche Pflichten hat der Ausbildungsbetrieb?
  • Welche Folgen können bei einem Verstoß eintreten?

Lösungsschritte:

  • § 33 JArbSchG (Erste Nachuntersuchung)
  • Beschäftigungsverbot bei fehlender Nachuntersuchungsbescheinigung nach Ablauf der Frist
  • Prüfpflicht des Ausbildungsbetriebs
  • Mögliches Bußgeld bei Verstößen

Vorteile:

  • hoher Praxisbezug
  • fördert juristisches Denken
  • trainiert den Umgang mit Gesetzestexten
  • bereitet auf Prüfungsaufgaben und betriebliche Entscheidungen vor

Rolle des Ausbilders:
Der Ausbilder stellt den Fall bereit, unterstützt bei der Rechtsrecherche und moderiert die Diskussion über die rechtliche Bewertung des Sachverhalts.

Flipped Classroom

Flipped Classroom (umgedrehter Unterricht) ist eine Lernmethode, bei der die Wissensvermittlung vor der eigentlichen Lernveranstaltung erfolgt. Die Lernenden erarbeiten die Grundlagen selbstständig, z. B. durch Videos, Podcasts oder Texte. Die gemeinsame Lernzeit wird anschließend für Übungen, Diskussionen, Fallbeispiele oder Problemlösungen genutzt.

Prinzip:

  1. Vorbereitung zu Hause oder am Arbeitsplatz
    Lernvideo ansehen, Text lesen, Quiz bearbeiten.
  2. Gemeinsame Lernphase
    Fragen klären, Aufgaben lösen, Praxisfälle bearbeiten, Erfahrungen austauschen.

Vorteile:

  • mehr aktive Lernzeit
  • individuelles Lerntempo bei der Vorbereitung
  • bessere Nutzung der Präsenzzeit
  • Förderung der Selbstlernkompetenz

Beispiel in der Ausbildung:
Auszubildende sehen vor dem Unterricht ein 10-minütiges Video zur Entgeltabrechnung. Im Unterricht bearbeiten sie anschließend Lohnabrechnungen, berechnen Sozialversicherungsbeiträge und klären Verständnisfragen. Dadurch wird die gemeinsame Zeit für die Anwendung des Wissens genutzt.

Microlearning

Microlearning (Mikrolernen) ist eine Lernmethode, bei der Lerninhalte in sehr kleine, leicht verdauliche Einheiten aufgeteilt werden. Eine Lerneinheit dauert meist nur 2 bis 10 Minuten und behandelt jeweils ein konkretes Thema oder Lernziel.

Beispiele:

  • ein 3-minütiges Erklärvideo
  • ein kurzes Quiz auf dem Smartphone
  • eine digitale Lernkarte (Flashcard)
  • eine Infografik
  • ein kurzer Podcast-Ausschnitt

Merkmale:

  • kurze Lernzeiten
  • fokussiert auf ein Thema
  • häufig digital und mobil nutzbar
  • selbstgesteuertes Lernen
  • gut für Wiederholungen und Wissenserhalt

Beispiel in der Ausbildung:
Ein Auszubildender erhält jeden Morgen über eine Lern-App eine 5-minütige Lerneinheit zum Thema Arbeitssicherheit mit anschließendem Kurzquiz. Dadurch wird Wissen regelmäßig und ohne großen Zeitaufwand aufgebaut.

Mystery Method

Mystery Method ist eine handlungsorientierte Lernmethode, bei der Lernende aus verschiedenen Informationen, Hinweisen und Fakten eine komplexe Fragestellung lösen müssen. Dabei steht nicht die reine Wissensvermittlung, sondern das Erkennen von Zusammenhängen im Vordergrund.

Ablauf:

  1. Die Lernenden erhalten eine Leitfrage (das „Mystery“).
  2. Sie bekommen zahlreiche Informationskarten mit Fakten, Aussagen oder Daten.
  3. Die Informationen werden sortiert, verknüpft und diskutiert.
  4. Die Lernenden entwickeln eine begründete Lösung oder Erklärung.

Ziele:

  • vernetztes Denken fördern
  • Ursachen und Wirkungen erkennen
  • Problemlösekompetenz stärken
  • Teamarbeit und Kommunikation entwickeln

Beispiel in der Ausbildung:

Leitfrage:
„Warum hat ein Betrieb trotz vieler Bewerbungen Schwierigkeiten, Ausbildungsplätze zu besetzen?“

Die Auszubildenden erhalten Informationskarten zu Themen wie Arbeitgeberimage, Social Media, Vergütung, Bewerbungsprozess, Generation Z, Standort und Fachkräftemangel. Durch das Verknüpfen der Informationen entwickeln sie eine Erklärung für das Problem und leiten Verbesserungsvorschläge ab.

Besonderheit:
Anders als bei der Fallmethode gibt es nicht unbedingt eine eindeutig richtige Lösung. Entscheidend ist die nachvollziehbare Verknüpfung der Informationen.

Planspiel

Planspiel ist eine Lernmethode, bei der Lernende in einer realitätsnahen Simulation Entscheidungen treffen und deren Auswirkungen erleben. Sie übernehmen bestimmte Rollen und handeln in einer nachgebildeten betrieblichen Situation.

Ablauf:

  1. Einführung in die Ausgangssituation.
  2. Übernahme von Rollen oder Funktionen.
  3. Analyse der Situation und Entscheidungsfindung.
  4. Umsetzung der Entscheidungen im Spiel.
  5. Auswertung der Ergebnisse und Reflexion.

Ziele:

  • betriebliche Zusammenhänge verstehen
  • Entscheidungen treffen und verantworten
  • wirtschaftliches Denken fördern
  • Team- und Kommunikationsfähigkeit stärken

Beispiel in der Ausbildung:

Thema: Personalplanung in einer Systemgastronomie

Die Auszubildenden übernehmen die Rolle der Filialleitung. Aufgrund von Krankheit, Urlaub und hohem Kundenaufkommen müssen sie Dienstpläne erstellen, Personal einsetzen und auf unerwartete Ereignisse reagieren. Jede Entscheidung beeinflusst Kosten, Kundenzufriedenheit und Arbeitsbelastung.

Vorteile:

  • sehr hoher Praxisbezug
  • Lernen durch eigenes Handeln
  • komplexe Zusammenhänge werden sichtbar
  • fördert Problemlösungs- und Entscheidungskompetenz

Rolle des Ausbilders:
Der Ausbilder entwickelt oder steuert das Szenario, beobachtet den Ablauf und moderiert die Auswertung.

Unterschied zum Rollenspiel:

  • Rollenspiel: Schwerpunkt auf Verhalten und Kommunikation zwischen Personen.
  • Planspiel: Schwerpunkt auf Entscheidungen, Prozessen und deren Auswirkungen in einem komplexen System.

Typische Themen für Planspiele:

  • Unternehmensführung
  • Personalplanung
  • Beschaffung und Lagerhaltung
  • Projektmanagement
  • Marketing
  • Existenzgründung
  • Ausbildungsmarketing
  • Krisenmanagement

Das Planspiel gehört zu den Methoden mit dem höchsten Aktivierungsgrad, da die Lernenden selbst handeln, entscheiden und die Folgen ihrer Entscheidungen unmittelbar erleben.

 

 

 

 

Portfolioarbeit

Portfolioarbeit ist eine Lernmethode, bei der Lernende ihre Arbeitsergebnisse, Lernerfahrungen und Fortschritte über einen längeren Zeitraum sammeln, dokumentieren und reflektieren.

Typische Bestandteile eines Portfolios:

  • Arbeitsaufgaben und Projektergebnisse
  • Berichte und Dokumentationen
  • Fotos, Zeichnungen oder Präsentationen
  • Reflexionen zum eigenen Lernfortschritt
  • Feedback von Ausbildern oder Kollegen

Ziele:

  • selbstständiges Lernen fördern
  • Lernerfolge sichtbar machen
  • Reflexionsfähigkeit entwickeln
  • Kompetenzentwicklung dokumentieren

Merkmale:

  • langfristiger Lernprozess
  • hohe Eigenverantwortung
  • regelmäßige Selbstbewertung
  • individuelle Gestaltung möglich

Beispiel in der Ausbildung:
Ein Auszubildender zum Industriekaufmann dokumentiert während eines Ausbildungsabschnitts im Einkauf seine Aufgaben, erstellt Auswertungen zu Lieferantenanfragen, reflektiert seine Lernerfahrungen und sammelt Nachweise über erworbene Kompetenzen. Das Portfolio wird regelmäßig mit dem Ausbilder besprochen.

Serious Games

Serious Games sind Lernspiele, die neben dem Spielspaß ein konkretes Lernziel verfolgen. Das Lernen erfolgt durch aktives Handeln, Ausprobieren und Entscheiden innerhalb eines Spiels.

Ablauf:

  1. Die Lernenden erhalten eine Spielaufgabe oder Mission.
  2. Sie treffen Entscheidungen und lösen Probleme.
  3. Das Spiel reagiert auf ihre Handlungen.
  4. Durch Erfolg, Misserfolg und Feedback entsteht der Lernprozess.

Ziele:

  • Fachwissen anwenden
  • Entscheidungen trainieren
  • Zusammenhänge verstehen
  • Motivation und Engagement erhöhen

Beispiel in der Ausbildung:

Thema: Personalplanung

Die Auszubildenden übernehmen in einer Simulation die Leitung eines Unternehmens. Sie müssen Mitarbeiter einstellen, Schichten planen, Weiterbildung organisieren und auf Krankheitsausfälle reagieren. Jede Entscheidung beeinflusst Kosten, Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit.

Vorteile:

  • hoher Praxisbezug
  • Lernen durch Erfahrung
  • Fehler ohne reale Konsequenzen möglich
  • hohe Motivation durch spielerischen Charakter

Rolle des Ausbilders:
Der Ausbilder wählt oder erstellt das Lernspiel, begleitet die Auswertung und unterstützt die Lernenden bei der Reflexion ihrer Entscheidungen.

WebQuest

WebQuest ist eine internetgestützte Selbstlern-Methode, bei der Lernende eine Fragestellung oder Aufgabe mithilfe vorgegebener Online-Quellen bearbeiten. Statt wahllos im Internet zu suchen, arbeiten sie gezielt mit ausgewählten Informationen.

Ablauf:

  1. Einführung in die Aufgabenstellung.
  2. Bearbeitung einer konkreten Fragestellung.
  3. Recherche über vorgegebene Internetquellen.
  4. Auswertung und Aufbereitung der Ergebnisse.
  5. Präsentation und Reflexion.

Ziele:

  • Informationskompetenz fördern
  • selbstständiges Lernen unterstützen
  • Recherchefähigkeiten entwickeln
  • digitale Medien sinnvoll nutzen

Beispiel in der Ausbildung:

Aufgabe:
„Vergleichen Sie die Vor- und Nachteile der betrieblichen Altersversorgung.“

Die Auszubildenden erhalten Links zu:

  • Gesetzestexten
  • Informationen der Rentenversicherung
  • Arbeitgeberverbänden
  • Gewerkschaften

Anschließend erstellen sie eine Übersicht und präsentieren ihre Ergebnisse.

Vorteile:

  • hohe Aktualität der Informationen
  • Förderung digitaler Kompetenzen
  • strukturierte Recherche
  • selbstständige Wissensaneignung

Rolle des Ausbilders:
Der Ausbilder definiert die Aufgabe, stellt geeignete Quellen bereit und begleitet die Auswertung der Ergebnisse.

Besonderheit:
Im Gegensatz zur freien Internetrecherche werden die Quellen vorgegeben. Dadurch konzentrieren sich die Lernenden stärker auf die Auswertung und Bewertung der Informationen als auf die Suche selbst.