Didaktik = WAS und WARUM?
Methodik = WIE und WOMIT?
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Übersicht
Didaktik = WAS und WARUM?
Methodik = WIE und WOMIT?
Die didaktische Analyse und die methodische Analyse gehören zusammen, beantworten aber unterschiedliche Fragen:
| Didaktische Analyse | Methodische Analyse |
|---|---|
| Was und warum soll gelernt werden? | Wie soll gelernt werden? |
| Welche Inhalte sind wichtig? | Welche Ausbildungsmethode eignet sich? |
| Welches Lernziel soll erreicht werden? | Wie wird die Ausbildungssituation aufgebaut? |
| Welche Bedeutung hat der Inhalt für den Beruf? | Welche Medien und Arbeitsmittel werden eingesetzt? |
| Was müssen die Auszubildenden vorher wissen? | Wie werden die Auszubildenden aktiv beteiligt? |
| Welche Inhalte müssen ggf. vereinfacht werden? | Wie wird der Lernerfolg methodisch überprüft? |
Beispiel: Kundenreklamation
Didaktische Analyse:
Die Auszubildenden sollen lernen, eine Kundenreklamation selbstständig und kundenorientiert zu bearbeiten. Das ist wichtig, weil Reklamationen im späteren Berufsalltag auftreten und professionell behandelt werden müssen.
Methodische Analyse:
Für das Lernziel wird ein Rollenspiel gewählt. Eine Person übernimmt die Rolle des Kunden, die andere bearbeitet die Reklamation. Anschließend wird das Gespräch gemeinsam ausgewertet und Feedback gegeben.
Didaktische Analyse
Für einen Industriekaufmann erfolgt die didaktische Analyse, indem man einen Inhalt aus der Ausbildungsordnung nimmt und daraus eine konkrete, für den Auszubildenden passende Ausbildungssituation entwickelt.
Beispiel: Angebote vergleichen
Angenommen, ein Auszubildender soll lernen, Angebote von Lieferanten zu vergleichen.
| Schritt der didaktischen Analyse | Beispiel |
|---|---|
| 1. Was soll gelernt werden? | Angebote verschiedener Lieferanten vergleichen und bewerten |
| 2. Woher kommt der Inhalt? | Ausbildungsordnung bzw. betrieblicher Ausbildungsplan |
| 3. Was ist das Lernziel? | Der Auszubildende kann Angebote selbstständig vergleichen und eine begründete Auswahl treffen. |
| 4. Warum ist das wichtig? | Angebotsvergleiche gehören zu typischen Aufgaben im Einkauf. |
| 5. Welche Vorkenntnisse sind nötig? | Grundkenntnisse zu Preisen, Mengen, Rabatten und Lieferbedingungen |
| 6. Was muss vereinfacht werden? | Zunächst nur drei Angebote mit wenigen Vergleichskriterien verwenden |
| 7. Welchen Praxisbezug gibt es? | Es werden echte oder realitätsnahe Angebote des Betriebs verwendet. |
| 8. Was soll der Auszubildende danach können? | Angebote auch bei zukünftigen Beschaffungsvorgängen selbstständig beurteilen |
Danach folgt die methodische Analyse
Didaktische Analyse - genauer
Bei der didaktischen Analyse sollte noch stärker deutlich werden, dass der Ausbilder den konkreten Ausbildungsinhalt nicht frei auswählt, sondern ihn aus den Ausbildungszielen ableitet und mit dem bisherigen Ausbildungsstand abstimmt. Zusätzlich ist die Verbindung zwischen betrieblicher Ausbildung und Berufsschule wichtig.
Didaktische Analyse – Beispiel Industriekaufmann: Angebote vergleichen
| Schritt | Leitfrage | Beispiel |
|---|---|---|
| 1. Ausbildungsziel zuordnen | Was sollen die Auszubildenden am Ende ihrer Ausbildung beruflich können? | Beschaffungsvorgänge selbstständig bearbeiten und dabei wirtschaftliche Entscheidungen treffen. |
| 2. Ausbildungsrahmenplan zuordnen | Wo ist der Inhalt in der betrieblichen Ausbildung vorgesehen? | Der Inhalt wird der entsprechenden Berufsbildposition und den dort genannten Fertigkeiten, Kenntnissen und Fähigkeiten zugeordnet. |
| 3. Rahmenlehrplan einbeziehen | Was wird dazu in der Berufsschule vermittelt? | Es wird geprüft, welche kaufmännischen Grundlagen und Inhalte zur Beschaffung bereits schulisch behandelt wurden oder parallel behandelt werden. |
| 4. Betrieb und Berufsschule verbinden | Wie ergänzen sich beide Lernorte? | Theoretische Kenntnisse aus der Berufsschule werden auf einen konkreten Beschaffungsvorgang im Betrieb übertragen. |
| 5. Ausbildungsstand feststellen | Was können die Auszubildenden bereits? | Sie kennen z. B. Bezugsquellen, Preise, Rabatte, Skonti und Lieferbedingungen und haben bereits einfache Beschaffungsvorgänge kennengelernt. |
| 6. Konkretes Lernziel bestimmen | Was sollen sie jetzt zusätzlich lernen? | Mehrere Angebote selbstständig vergleichen, bewerten und eine begründete Lieferantenauswahl treffen. |
| 7. Inhalt didaktisch reduzieren | Welcher Umfang ist für den Ausbildungsstand angemessen? | Zunächst drei Angebote und eine begrenzte Zahl von Auswahlkriterien statt einer komplexen Lieferantenbewertung. |
| 8. Bedeutung für die Berufspraxis klären | Wozu benötigen die Auszubildenden das? | Sie sollen später Beschaffungsentscheidungen im betrieblichen Alltag fachlich und wirtschaftlich begründen können. |
Besonders wichtig: Ausbildungsrahmenplan und Rahmenlehrplan
Hier sollte man sauber unterscheiden:
Ausbildungsrahmenplan → betriebliche Ausbildung
Er beschreibt, welche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten im Betrieb vermittelt werden sollen und gibt eine zeitliche Orientierung.
Rahmenlehrplan → Berufsschule
Er beschreibt die schulischen Lernfelder und Kompetenzen.
Beide werden in der dualen Ausbildung aufeinander abgestimmt. Für die didaktische Analyse bedeutet das beispielsweise:
Der Ausbilder stellt fest, dass laut Ausbildungsrahmenplan das Bewerten von Angeboten betrieblich vermittelt werden soll. Gleichzeitig prüft er, welche dazugehörigen theoretischen Grundlagen nach dem Rahmenlehrplan in der Berufsschule bereits behandelt wurden. Anschließend berücksichtigt er den tatsächlichen Ausbildungsstand des Auszubildenden und legt darauf aufbauend das konkrete Lernziel fest.
Die Logik der didaktischen Analyse
Ausbildungsziel
↓
Ausbildungsrahmenplan + Rahmenlehrplan
↓
betrieblicher Ausbildungsplan
↓
bisheriger Ausbildungsstand und Vorkenntnisse
↓
konkretes Lernziel
↓
Auswahl und Reduzierung der Lerninhalte
↓
Praxisbezug und Bedeutung für die berufliche Handlungsfähigkeit
Methodische Analyse
Beispiel: Angebote vergleichen
| Methode | Was spricht dafür? | Was spricht dagegen? |
|---|---|---|
| Vier-Stufen-Methode | Klare Struktur; gut zum Einüben festgelegter Arbeitsabläufe; Ausbilder kann Vorgehen unmittelbar zeigen | Wenig eigene Lösungswege; geringe Selbstständigkeit; für das Bewerten und Entscheiden weniger geeignet |
| Lehrgespräch | Vorwissen kann einbezogen werden; Ausbilder kann durch Fragen steuern; Zusammenhänge lassen sich gemeinsam erarbeiten | Ausbilder gibt den Lernweg stark vor; wenig selbstständiges Handeln; eigene Entscheidungen stehen weniger im Mittelpunkt |
| Fallmethode | Realistische Problemstellung; fördert Analyse und Entscheidungsfähigkeit; mehrere Lösungen sind möglich | Häufig eher modellhafte Situation; betrieblicher Arbeitsauftrag steht nicht zwingend im Mittelpunkt |
| Lernauftrag | Hoher Praxisbezug; selbstständiges Arbeiten; fördert Planen, Entscheiden und Kontrollieren; reales Arbeitsergebnis möglich | Erfordert ausreichende Vorkenntnisse; Ausbilder kann weniger direkt steuern; Fehler müssen eingeplant werden |
| Projektmethode | Sehr hohe Selbstständigkeit; fördert Planung, Durchführung und Kontrolle; umfassende Handlungskompetenz | Für einen einfachen Angebotsvergleich zu aufwendig; hoher Zeitbedarf; Lernziel kann durch die Komplexität aus dem Blick geraten |
Entscheidung: Lernauftrag
Nach der Gegenüberstellung wird der Lernauftrag gewählt. Entscheidend ist das Lernziel: Der Auszubildende soll Angebote nicht nur kennen oder nach einem vorgegebenen Muster bearbeiten, sondern sie selbstständig vergleichen, bewerten und eine begründete Entscheidung treffen.
Die Nachteile des Lernauftrags sind hier vertretbar, wenn der Auszubildende bereits über die notwendigen Grundkenntnisse verfügt und der Ausbilder bei Schwierigkeiten unterstützend eingreifen kann.
Methodische Analyse als Reihenfolge:
Lernziel → Voraussetzungen → Methodenalternativen → Dafür/Dagegen → Entscheidung und Begründung → konkrete Durchführung → Lernerfolgskontrolle